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Warm durch die Nacht - Tourbericht 14.08.2015

weiter zu Marktkirche. Dort trafen wir wieder den polnischen Mann, der sich so schlecht verständlich machen kann, da er kein Wort Deutsch spricht, es aber in sämtlichen Sprachen versucht. Während vor einigen Tagen Elli mit ihm polnisch sprach, bewährten sich dieses Mal die Russischkenntnisse unseres Hendriks, so dass mit diesem Mann und dessen Freund doch ein Gespräch möglich war. Wir fanden für ihn ein paar passende Schuhe, für die er sich überschwänglich bedankte. Als wir ihm dann aber auch noch einen Treckingrucksack gaben, konnte er sich nicht mehr zurückhalten. Sein „Danke! Danke! Danke! Wow! Wow! Wow!“ war, vermutlich in der ganzen Fußgängerzone zu hören. Er nahm uns dann in den Arm und wiederholte immer wieder seine Dankesrufe. Das sind Momente, die einfach irre Spaß machen! Und eigentlich ist es schade, dass ihr lieben Spender das nicht miterleben könnt.
Ein wenig später an der Marktkirche bewährten sich abermals die verschiedenen Sprachkenntnisse unseres Tourenteams, als wir auf ein marokkanisch/ungarisches Paar trafen. Hier übersetzten für uns Bea und Sarah, so dass die beiden uns ihre Sorgen mitteilen konnten und wir ihnen Hilfe durch unsere Rechtsanwältin vermitteln werden. Sie teilten uns auch mit, was sie dringend brauchen und wir werden alles für die nächste Tour zusammenstellen.
Wider Erwarten trafen wir etwas später am Dom doch wieder auf unsere Truppe rund um A. Sie hatten in der Nacht zuvor das heftige Gewitter im Waldhausenpark erleben müssen. Wegen des bevorstehenden Wochenendes hatten sie sich nun entschlossen, doch wieder zum Dom umzuziehen. Wie abgesprochen kam T. um sich die für seinen Klinikaufenthalt zusammengestellten Sachen abzuholen. Auch seinem Freund konnten wir mit Kleidung und einer Tasche ausstatten. Die gesamte Gruppe versorgten wir mit reichlich Brot für das Wochenende. Wir nahmen uns noch Zeit für Gespräche.
Die Situation ist für alle unerträglich. Immer wieder werden sie vertrieben. Wenn sie sich irgendwo niederlassen, wissen sie nie, ob die Nacht Ruhe bringen wird, oder ob sie abermals, oft mitten in der Nacht, weichen müssen.
Immer das Gefühl, nirgendwo erwünscht oder geduldet zu sein! Zermürbend! Es wundert einen nicht, dass Einzelne unter diesen Umständen völlig resignieren, sich aufgeben und mit ihrem Leben abschließen. Als ob die Situation, obdachlos zu sein, nicht schon schlimm genug wäre!
Und gerade diese Gruppe ist eigentlich besonders friedlich, unauffällig und hinterlässt alles sauber, dafür sorgt schon A. , dem das sehr wichtig ist.  Sie geben gar keinen Anlass dazu, sie zu vertreiben. Und dennoch gibt man ihnen regelmäßig das Gefühl, nicht zu unserer Gesellschaft dazuzugehören!
Auf dem Weg zum Willy-Brand-Platz trafen wir wieder auf S. , den wir abermals mit frischen Verbänden versorgen wollten. Da unsere Kerstin es nicht mehr zeitig nach Essen geschafft hatte, rief Hendrik seine Partnerin an, die eilig kam und sich darum kümmerte . S. ist aber leider immer noch nicht gewillt, sich in einer Klinik behandeln zu lassen.
Und dann begegnete uns noch ein junger Mann in einer echten Notsituation. Man hatte ihn in der City bestohlen, sodass er kein Geld mehr hatte, um in seine Heimatstadt Geldern zu fahren. Er erzählte uns, dass er sich hilfesuchend an die Bahnhofsmission gewandt hätte. Dort habe man ihm erklärt, für solche Fälle sei man nicht zuständig, man kümmere sich ausschließlich um Obdachlose.
Eine Zeit lang überlegten wir noch, an welche Stellen wir ihn verweisen könnten, entschlossen uns aber dann, das Problem „EPA intern“ zu lösen. Wir tauschten Handynummern aus und gaben ihm das nötige Fahrgeld. Nun hoffen wir darauf, dass er unser Vertrauen nicht enttäuscht.
An der Post gab es dann auch noch viele hungrige Leute, einige brauchten Kleidung, Hygieneartikel oder Hundefutter und Becci und ich versorgten die junge von Zecken geplagte Hündin „Mina“ mit Frontline. Herrchen war dafür sehr dankbar, Mina eher für unsere Leckerlis. ;-)
Selbst auf dem Rückweg begegneten uns immer wieder Leute, die noch etwas brauchten oder Hunger hatten. Als wir wieder am Nord ankamen, waren unsere Suppe und unsere Brotkörbe leer.
Eine ganz besondere Überraschung gab es dann auch noch: von Stephan aus dem Tourenteam bekamen wir einen nagelneuen Bollerwagen geschenkt! Klasse! Denn der andere Bollerwagen, der gestern nochmal zusätzlich eingesetzt worden war, schwächelt doch sehr.
Diesen Abend haben wir wieder mal mit einem tollen großen Team „gerockt“ und ich denke, Gönül weiß nun, warum wir es tun und was zusätzlich dringend für diese liebenswerten Menschen nötig ist.


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