Essen packt an!

Warm durch die Nacht - Tourbericht 16.11.2019 (Veronica)

 Grausamer Menschenhandel mit Obdachlosen, kann das denn wahr sein?



Wer von euch, liebe Leserin und Leser, aufmerksam die Tagesthemen in den Tageszeitungen verfolgt, hat sicherlich letzte Woche den Artikel über organisierte Kriminalität, insbesondere das unmenschliche Geschäft mit den Obdachlosen, gelesen. Menschenhändler und Diebesbanden aus Ostpolen lockten Obdachlose mit Lügen in ihr Netz, beuteten sie dann aus und vergewaltigten sie, zwangen sie zum Diebstahl und zur Prostitution. Sie mussten Schläge erleiden, mussten Drohungen aushalten, wurden in ihrer Notlage gnadenlos ausgebeutet. Ihnen wurden die Personalausweise abgenommen, nachts wurden die angemieteten Wohnungen abgeschlossen, tagsüber bewacht. Und das alles in unserem aufgeklärten 21. Jahrhundert, wie geht das denn?

Ich beschloss, direkt zur 1. Station bei Lampen Kaiser zu fahren, um mich mit den Bedürftigen über das Thema auszutauschen. Die leckere,

eiweißreiche Bohnensuppe vom Sengelmannshof, Gemüse und Obst von Foodsharing Essen und die Backwaren waren Highlights und wurden gerne angenommen.

Ein junges Pärchen hat schon von Menschenhandel gehört, ist aber noch nie von solchen Händlern angesprochen worden, ob sie Drogen wollten.
F., ein Gast, hat eine Wohnung, war früher Fernfahrer. Er hielt auf einer Raststätte in der Nähe von Nürnberg, da kam so ein Typ mit Frau an, sagte zu ihm:“ Heh, kannst du meine Freundin so ca. 50 km mitnehmen, die hat kein Geld, kannst du sie da und da absetzen?“ F. unterhielt sich während der Fahrt mit der Frau und bemerkte, dass sie so verängstigt sprach und verheult aussah. Während er nachhakte, erzählte die Frau dann, dass sie von dem Typ gezwungen wurde, zu klauen usw., und ob er ihr beistehe könne. F. hat dann die Polizei verständigt und zur nächsten Raststätte bestellt. Die nahmen die Frau in Empfang, um ihr zu helfen.
C. ein netter Mann mit einem unbeschreiblich tollen, flauschigen, großen, weißen Hund ist erst seit einer Woche obdachlos. Ja, erst den Job verloren.......und immer so weiter. Die bekannte Abwärtsspirale hinunter. Er ist vom CVJM in so einem Programm drin, die helfen ihm, wieder eine Wohnung zu bekommen. Er wusste nicht, dass wir die OFW'ler bei Minustemperaturen zum Wärmezelt des Deutschen Roten Kreuzes bringen und er seinen 4-beinigen Weggefährten mitnehmen kann. Das waren sehr hilfreiche Informationen für ihn.

Ich wurde gefragt, ob ich mit Günni die Backwaren vom HBF abholen könne. Wer das noch nicht erlebt hat, wie es ist, einen beladenen Bollerwagen -von einem Suppenfahrrad ganz zu schweigen- durch die lichtergeschmückte, rappelvolle Kettwiger Straße zu ziehen bzw. zu schieben, der hat echt was verpasst. Seit heute Abend fühle ich mich als Heldin!

Zurück an der Marktkirche empfingen uns die Tourengänger in bester Stimmung und mit Punschgläsern in der Hand, Vogel's Glühwein lässt grüßen (Gutscheine wurden eingelöst, besten Dank)
Die Suppe war schon alle und jede Menge Dosen wurden geöffnet und die Behälter aufgefüllt. Es kamen auch Geldspenden, damit fütterten wir das EPA-Sparschwein.

Auf einmal wurde es noch heller und freundlicher und diese wundervolle Lichtgestalt, Elke Zbiera mit ihrem Kollegen und Sanitäter Domenik Hokkeler vom DRK Essen Borbeck und Kältezelt Borbeck traten in unsere Mitte. Herr Hokkeler kümmert sich auch ehrenamtlich um Obdachlose und wir bekamen viele Visitenkärtchen, mit denen wir die OFW'ler auf die Angebote aufmerksam machen können. Vielen, vielen, herzlichen Dank für euren tollen Besuch.

An der Post am Bahnhof hatte ich wieder die Möglichkeit, mich mit den Gästen zu unterhalten. Viele waren sehr betroffen über das Thema Menschenhandel mit Obdachlosen. Sie können sich eigentlich gar nicht so richtig vorstellen, wie das passieren kann. Es ist auch ein Unterschied, ob sich ein Obdachloser mit Schnorren für sich selber durchschlägt oder ob er von Menschenhändlern dazu gezwungen wird. Das wurde heuten vielen bewusst.

T., unser Gast, möchte gerne eine Wohnung haben. Da gab es auch schon Vermittlungsversuche, aber wir, liebe Leser, sollen bedenken, er ist ja 14 Stunden am Tag auf der Straße. Dann soll er zum Vermieter gehen, mit dem etwas besprechen und dann verlässt ihn, allein auf sich gestellt, die Kraft. Na, das war ja gut, dass unser Marcel von EPA dabei war, denn der ist genau der richtige Ansprechpartner und Kümmerer dafür. Er hat sich gleich den Namen und Adresse von T. geben lassen und bleibt jetzt am Ball. Sie werden postalisch über die Lindenallee 55 kommunizieren, das ist dann die Postadresse für Obdachlose, so können wir sie erreichen, wenn wir eine Wohnung gefunden haben, etc.

Alles in allem waren es mal wieder mehrere, gute Einzelfallhilfen. Wir freuen uns alle sehr, dass das Leben wieder für einige Menschen besser und erträglicher wird. Euch ist vielleicht aufgefallen, dass ich nicht die einzelnen Namen der Tourengänger/innen aufgeführt habe. Das wäre heute fast gar nicht mehr möglich gewesen, denn wir waren sage und schreibe so um die 15 Leute! An dieser Stelle möchte ich allen, die heute dabei waren, von Herzen danke sagen, für euer Lächeln, einen warmen Händedruck, ein liebes Wort, eine herzliche Umarmung, den Trost, den ihr spendet, und vieles mehr. Danke auch dafür, dass ihr heute etwas aus Liebe und Nächstenliebe getan habt, ohne Lohn dafür zu erwarten.
Möge Segen sein, bis zum nächsten Mal,
eure Veronica

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